Im Steakhouse hat es gebrannt

Das Steakhouse ist schon lange kein Steakhouse mehr. Bevor es Steakhouse hieß und ein Steakhouse war, hieß es Café Cash und Rennstall und war eine relativ normale Dorfkneipe mit Billardtisch und Bier. Dieser Eintrag hätte also auch heißen können „Im Café Cash hat es gebrannt“. Das war lange bevor es üblich wurde, in Gaststätten Nichtraucherbereiche auszuweisen.
In den letzten Jahren aber war es eben kein Restaurant, keine Dorfkneipe, keine Gaststätte mehr. Es war eine relativ sehr zentral, direkt im Ortskern, gelegene Unterkunft für Monteure. Unterkunft für Monteure sagt, wer mäßig ausgestatteten Schlafraum an Arbeiter, normalerweise aus Osteuropa, vermietet, denen man in der Regel nicht unbedingt erzählt, welche Rechte als Arbeitnehmer und/oder als Mieter sie haben, weil man sonst entweder marktübliche Löhne zahlen oder marktübliche Mieten kassieren müsste.
Nun hat es dort gebrannt. Als die Feuerwehr eintraf, stand der Dachstuhl schon so komplett in Flammen, dass die Lösch- und Rettungskräfte das Gebäude nicht mehr betreten konnten. Im Ergebnis steht nun sehr ortskernnah eine relativ ausgebrannte Ruine herum, vier der bisherigen Bewohner mussten auf andere Unterkünfte ausweichen, fünf weitere Bewohner wurden in Krankenhäuser gebracht, einer tut gar nichts mehr, da er nur noch tot geborgen werden konnte.
Diese Ruine, die früher eine Dorfkneipe war, wird nun sicherlich nicht sehr lange dort herumstehen, denn ein Unternehmen, das in der Region sehr erfolgreich Supermärkte betreibt, hatte bereits vorher die umliegenden Grundstücke gekauft und leerstehen lassen. Zu sagen, dass es ihnen nun durchaus zupass käme, da der Zugriff auf eine ausgebrannte Ruine sicherlich leichter zu erreichen ist, als auf eine einigermaßen leidlich ertragbringende Mietgelegenheit, würde aber sicherlich nicht möglich sein, sofern man von einer Gesellschaft ausgeht, in der Akteure, die alles ihrem finanziellen Gewinn oder dem ihrer Arbeit- und Auftraggeber unterordnen, bis hin zu ihrer finalen Entfernung aus ebendieser geächtet und verachtet wären.
Da es sich aber um ein Unternehmen handelt und nicht um eine real existierende Person, sind ihm natürlich Gefühlte wie Scham, Anstand oder eben auch Gier, nicht zuzuordnen. Unternehmen interessieren sich nicht für etwas anderes als ihren durch Statistiken be- und ausgewiesenen Erfolg. Sie interessieren sich nicht für die Verödung, die sie mit dem Bau weiterer Parkplätze, in die Ortskerne hineintragen. Sie interessieren sich auch nicht für Menschenleben. Sie interessieren sich einfach nicht. Unternehmen sehen Chancen, wo Menschen angewidert den Blick und die Aufmerksamkeit abwenden, wenn sie nicht verzweifeln wollen.
Das Steakhouse wird wohl in Zukunft kein Steakhouse mehr werden, auch kein Café Cash oder ein Rennstall. Und die Monteure werden in Zukunft woanders einen nicht unerheblichen Teil ihres zu geringen Lohnes lassen, wollen sie ein Dach über und ein Kissen unter dem Kopf haben.

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